Abenteuer Spanien

 

Dr.M. saß in seinem Studierzimmer und runzelte die Stirn. Für einen brillanten Wissenschaftler wie ihn waren wirkliche Herausforderungen selten geworden. Was sollte er bloß dieses Jahr erforschen ? Vulkane in Süditalien ? Unentdeckte Gräber in Ägypten ? Mauerreste in der Wüste ? Er hatte keine Idee. Nichts in den bunten Prospekten faszinierte ihn, nichts zog ihn magisch an.

Die Zimmertür öffnete sich und seine reizende Assistentin Kerstin kam herein. Mit einem wissenden Lächeln küßte sie die Falten von seiner Stirn und meinte: "Wie wärís denn mit einer Vergnügungsreise, Schatzbub?"

"Vergnügungsreise!" schnaubte Dr.M., "etwa Einkaufsbummel und Maniküre, Abenteuer braucht der Mann!" Nach einer kleinen Pause fügte er hinzu: "Falls du allerdings eine Motorradtour im Sinn hast ..."

"Wie ?" Kerstin war so in ihre Lektüre vertieft, daß sie die Kommentare ihres Verlobten gekonnt überhört hatte. "Motorradtour ? Das ist für zwei Wochen doch viel zu unpraktisch. Ich hätte da aber eine Rundreise in Spanien ..."

"Spanien ? Spanien ! Kampftrinken auf Mallorca, Oben-ohne- bzw. Ohne-alles-Girls an den Stränden - das unterfordert mich intellektuell total !!!"

Ein leichtes Schmollen schlich sich in Kerstins Gesicht: "Aber ich wollte doch schon immer mal Granada sehen."
 
 

Eine Woche und etliche Diskussionen später saßen Dr.M. und seine Assistentin im Reisebüro. Nach Andalusien an die Costa del Sol sollte es gehen. Doch die ausgesuchten Hotels an den feinen weißen Sandstränden von Roquetas de Mar waren schon ausgebucht - von sonnenhungrigen Rentnern.

Jetzt war die Reihe an Kerstin die Stirn zu runzeln. Mit einem typischen Ich-will-aber-nach-Spanien-Blick nahm sie den Reiseprospekt erneut unter die Lupe: Marbella - zu teuer, Torremolinos - Touristenbunker, Nerja - ja, warum nicht Nerja?

Die Dame vom Reisebüro beglückwünschte sie zu ihrer treffenden Wahl, doch Kerstin wollte sich zuerst mit einem fragenden "Was meinst du, Schatz?" die Absolution ihres Verlobten holen. Dr.M. hatte sich schon vorher in sein Schicksal ergeben und nickte zustimmend.

So konnte nach einer Stunde endlich alles dingfest gemacht werden: 2 Wochen Nerja Club + Flug nach Malaga + Mietwagen.
 
 


Freitag, 08.10

Es war genau 2.07 Uhr als der Wecker Kerstin aus einem unruhigen Schlaf riß. Die vorübergehende Orientierungslosigkeit wich allmählichem Begreifen. Richtig, heute ging es ja in den Urlaub. Schlaftrunken fuhr sie sich durch das dunkelgelockte Haar und zog sich an (zur Sicherheit nach der Zwiebelmethode - schließlich war es in Deutschland kalt und in Spanien warm).

Frühstück und noch eine kurze Überprüfung des Gepäcks, da stand auch schon Dr.M. vor der Tür. Auf der Fahrt zum Flughafen erschrak Kerstin zutiefst, da sie wichtige Utensilien vergessen zu haben schien, doch sie fanden sich glücklicherweise in ihrem Handgepäck wieder.
 
 

Das Einchecken ging problemlos vonstatten und auch der Platz im Flugzeug war schnell gefunden. Um 6.10 Uhr informiert dann eine blecherne Lautsprecherstimme: "Boarding completed" und um 6.30 Uhr hob die Boing ab in den Münchner Nachthimmel.

Während Kerstin völlig begeistert an der Fensterscheibe klebte und die vielen kleinen Lichter bewunderte, versuchte Dr.M. noch etwas Schlaf nachzuholen. Nachdem es über den Wolken hell wurde, ein ziemlich sinnloses Unterfangen.

Kerstin - ganz geschulte Assistentin - schrieb inzwischen eifrig in ihr Notizbuch:

Flugroute: über Friedrichshafen, Zürich, Genf, an Toulouse und Madrid vorbei, Richtung Malaga

Flugstrecke: ca. 1900 km

Flugzeit: ca. 2 Std. 35 Min.

Dann gab es das langersehnte Frühstück, und Kerstin geriet in einen Gewissenskonflikt, ob der Lufthansa-Löffel in ihr Handgepäck wandern sollte oder nicht. Dr.M. überlegte, ob er je eine wissenschaftliche Abhandlung zu diesem Thema gelesen hatte oder ob ihm irgendeine Statistik bekannt war ...

Jedenfalls kann man einen kleinen Löffel immer gut brauchen und seiner würde der Lufthansa ja erhalten bleiben Ù schwupps weg war der Löffel !

Schon beim Überfliegen der Pyrenäen, spätestens aber beim Landeanflug auf Malaga hatte Kerstin ihr erstes Aha-Erlebnis: Spanien war ja überhaupt nicht flach, sondern im Gegenteil ziemlich bergig !

Um 9.10 Uhr hatten Dr.M. und seine Assistentin wieder Boden unter den Füßen und wurden als einzige Gäste im Kombi nach Nerja kutschiert. Der Anblick von blauem Meer - man fuhr die Küstenstraße entlang! - und Sonnenschein weckte sofort Urlaubsgefühle.

Das Zimmer im Nerja Club war natürlich noch nicht bezugsfertig, aber zum Mittagessen war es um 10.45 Uhr noch zu früh. Der Forscherdrang von Dr.M. war ohnehin kaum zu bremsen und so erkundete er gleich den Weg zum Strand.

Dort legte man die müden Glieder im weichen Sand zur Ruhe (Es hat Vorteile, wenn man mit Köpfchen Koffer packt und sich ein Badetuch im Handgepäck befindet!!!). Da Kerstin dabei auch der Foto in die Hände fiel, wurden gleich erste Bilder geknipst.

Gegen 13.00 Uhr gings zurück ins Hotel. Ein Hotelmensch führte sie am Swimmingpool vorbei, die Treppe hinunter, erst rechts, dann links und dann bis ans Ende des Ganges zu ihrem Zimmer. Da es im Erdgeschoß lag, hatten sie keinen Käfig - äh Balkon, sondern eine Terrasse im Garten.

Allerdings kam erst der Magen zu seinem Recht (sehr spanisch: Spaghetti und Hamburger), bevor den Koffern die Aufmerksamkeit gewidmet wurde.

Der anschließende Spaziergang war eher halbherzig, da die Müdigkeit mit dem Tatendrang in Konflikt kam. Doch bevor die schweren Augenlider endgültig zuklappten, mußte noch das Abendessen überstanden werden. Und da gab es durchaus Rätsel zu lösen: Wo ist der Speisesaal ? An welchen Tisch setzt man sich am günstigsten ? Bezahlt man die Getränke gleich oder später ?

Dr.M. als Mann von Welt ließ seine Assistentin am Nebentisch nachfragen - das Pärchen war deutlich unter 40 und nicht übergewichtig, womit es zur Minderheit in diesem Hotel zählte. Allerdings waren die beiden Engländer wie die überwiegende Masse, doch sie gaben bereitwillig Auskunft: Die Getränke werden mit Zimmernummer notiert und können gleich oder später an der Rezeption bezahlt werden. Thank you very much !

Dr.M.s Orientierungssinn fand eine Abkürzung vom Speisesaal zu ihrem Zimmer bzw. zum Bett, das einzige was an diesem Abend verlocken konnte.
 
 

Samstag, 09.10.

Um kurz nach neun erhoben sich die Urlauber aus ihren Betten und begaben sich in den Speisesaal. Den Toast durfte man selber rösten und vor diesen Geräten hatte sich eine kleine Schlange gebildet. Kerstin beauftragte ihren Verlobten, ihr zwei Toasts mitzubringen Ù wozu hat man ihn schließlich dabei? und organisierte sich Tee und Müsli. Dr.M. probierte alles, was ihm unter die Finger kam: Eier, Pilze, gerösteten Speck, Müsli, Obst - nur die Sausages waren leider schon aus ...

Da heute die Reiseleiterin von Alltours angekündigt war, blieb Zeit für eine genauere Betrachtung des Hotels: durch die verwinkelte Bauweise wirkte es nicht wie ein Bunker, und Kerstin fand es insgesamt recht hübsch. Außerdem beruhigte es sie, daß sie trotz des Erdgeschoßzimmers noch kein einziges Insekt oder Spinnentier gesichtet hatte.

Ganz entzückt war sie von dem Bücherregal in der Eingangshalle und unterzog es sofort einer eingehenden Musterung: hauptsächlich Krimis auf englisch, aber auch ein paar deutsche Ù sehr verlockend !

Weniger Beifall fanden die anderen Mitbewohner des Hotels: entweder Rentner, vorwiegend Engländer und vorwiegend übergewichtig oder Eltern mit nervigen Sprößlingen, die zu dieser Jahreszeit doch wohl besser in der Schule aufgehoben wären.

Als die Reiseleiterin von Alltours endlich aufkreuzte, war sie in Eile, verwies nur kurz auf das Begrüßungstreffen am Montag und war auch schon wieder weg.

Dr.M. und Kerstin machten sich auf zum Strand, letztere mit einem frisch ausgesuchten Krimi im Gepäck. Zum Mittagessen verließen sie kurz ihr lauschiges Plätzchen im Sand, doch dann war wieder Faulenzen angesagt.

Dr.M. stürzte sich natürlich auch in die Fluten und seine Assistentin folgte ihm pflichtschuldig.

Um etwa 17.00 Uhr ging es zurück zum Hotel. Dort entdeckte Kerstin rötliche Verfärbungen an der Sitzfläche ihres Verlobten Ù Sonnenbrand!
 
 

Nach dem Abendessen, dessen Ablauf heute keine Rätsel mehr aufgab, liefen Dr.M. und seine Assistentin nach Nerja, wo ein Volksfest stattfand. Alles war mit Lichterketten geschmückt, überall standen Buden und Karussells. Dr.M. entwickelte eine Teletubby-Phobie, da es diese Viecher überall zu kaufen gab, und Kerstin entdeckte eine Nylon-Strumpfhose mit aufgemaltem Reißverschluß, die ihr sehr gut gefiel.

Wieder im Hotel gerieten sie mitten in den Flamenco-Abend, doch sie waren nicht mehr zum Zuschauen aufgelegt. Und weder die Flamenco-Klänge noch die leichten Rötungen, die Kerstin bei sich feststellte, konnten den Schlaf aufhalten oder stören.
 
 

Sonntag, 10.10.

Hocherfreut stellte Kerstin fest, daß ihre Rötungen über Nacht verschwunden waren, während Dr.M.s Sitzfläche einem Pavian-Hintern alle Ehre gemacht hätte.

Da der Himmel sich bedeckt hielt, entschlossen sie sich zu einem Spaziergang. Sämtliche Strände von Nerja wurden begutachtet - teilweise sehr klein und überflutungsgefährdet ! - und auf Film gebannt.

Der gekaufte Imbiß wurde auf dem "Balcon de Europa" (= der Sehenswürdigkeit von Nerja) verzehrt. Was außer dem Blick aufs Meer so sehenswert war, blieb Dr.M. und seiner Assistentin zwar verborgen, aber naja. Es schien jedenfalls der Treffpunkt für sämtliche Einwohner von Nerja zu sein, denn es herrschte reger Betrieb auf der Promenade und viele Spanier hatten farbenfrohe Kostüme an. Besonders die kleinen Mädchen sahen in ihren langen Carmen-Röcken und den Lack-Schühchen niedlich aus.

Auf dem Rückweg ins Hotel gerieten Dr.M. und seine Assistentin in eine Menschentraube, die die ganze Straße verstopfte. Der Grund für den Massenauflauf ließ nicht lange auf sich warten: Kinder auf geschmückten Wägen zogen in einer Parade vorbei und streuten Blumen oder winkten.

Nach einer kleinen Siesta im Hotel zog es die Urlauber wieder an den Strand. Doch bei kaltem Wind machte weder Schwimmen noch lesen viel Spaß und so trollten sie sich bald wieder.

Dr.M. schlug einen anderen Weg ein und so landeten sie in einem angelegten Wohnareal, das von einem Architekten mit Teichen und Gärten als Gesamtkunstwerk geplant worden war. Alles wirkte sehr hübsch, die Wege waren allerdings so verwinkelt, daß man jeden Moment befürchten mußte, bei einem Spanier auf der Terrasse bzw. im Wohnzimmer zu stehen und Bueno sera wünschen zu müssen.

Doch allen Befürchtungen zum Trotz führten alle Wege zur Straße und ohne Zwischenfälle erreichten sie das Hotel.

Da Kerstin unbedingt noch lesen wollte, testete Dr.M. die Funktionsfähigkeit des Fernsehers und siehe da: RTL und SAT flimmerten über die Mattscheibe.

Mit dem Abendessen hatten sie jetzt schon Routine: Dr.M. bestellte die Getränke, seine Assistentin das Essen und alles auf spanisch (man mußte es nur von der Karte ablesen, aber psst!)



Montag, 11.10.

Zum Entsetzen seiner Assistentin aß Dr.M. heute Geschwollene zum Frühstück Ù sie fand das eher pervers, doch sämtlich Engländer teilten Dr.M.s Geschmack.

Alle Beschwerden (sprich: Dr.M.s Sonnenbrand und Kerstins Halsweh) waren über Nacht verschwunden und das war auch gut so, denn heute sollte der bestellte Mietwagen kommen.

Während sie so im Foyer warteten, sauste Dr.M. mal schnell zum Einkaufen über die Straße und bezahlte die Getränke an der Rezeption, während Kerstin vor der schwerwiegenden Entscheidung stand, welchen Krimi sie als nächstes lesen sollte.

Gerade als sie sich für Edgar Wallace entschieden hatte, kam die Dame von der Mietwagen-Firma. Statt der bestellten Klasse B waren nur noch Wagen der Klasse D frei d.h. ein weißer Hyundai Access, fünftürig mit Klimaanlage. Als Dr.M. noch hörte, daß keinerlei Selbstbeteiligung vereinbart war, bekam er gleich leuchtende Augen.

Sobald sie die Schlüssel in Händen hatten, hielt sie nichts mehr und sie düsten los Richtung Almeria.

Dr.M. war in seinem Element, endlich wieder Action. Und daß die Autobahnen in Spanien Kurven haben, freute ihn auch: immer geradeaus fahren, ist zu langweilig!!!

Seine Assistentin Kerstin dagegen war sehr froh, nicht das Steuer übernehmen zu müssen. So konnte sie viel besser die wild zerklüftete Landschaft bewundern und die Sonne genießen.

In Almeria begann eine nervenaufreibende Parkplatzsuche: zwischen vierspurigen Hauptstraßen, Einbahnstraßen oder engen Gassen, in denen sich Autoschlangen bildeten, gab es keine Lücke für einen weißen Hyundai. So ungern er Geld dafür ausgab, Dr.M. steuerte schließlich doch ein Parkhaus an. Kerstin brauchte ihre ganze Willenskraft, um sich nicht in eine nörgelnde, urlaubsgestreßte Assistentin zu verwandeln. Doch ihre Laune besserte sich gleich, als man wieder zu Fuß unterwegs war.

Die Kathedrale von Almeria war leider wegen Bauarbeiten geschlossen, wurde aber trotzdem von außen fotografiert. Als gelernte Bibliothekarin hatte Kerstin schon das Fotoalbum im Kopf und da mußten doch ausreichend Bilder zu jedem Ausflug hinein.

Bei Almeria war die Sorge unbegründet, denn die Alcazaba bot genügend traumhafte Motive: der maurische Torbogen, die Gartenanlage mit Treppen und Wasserläufen, überhaupt die gesamte Burg. Dr.M. setzte sich brav auf diese Treppe oder lehnte sich an diese Mauer, bestand dann aber auch darauf, bei einer Kanone geknipst zu werden.

Wider Erwarten belastete Almeria den Geldbeutel nicht zu sehr, denn das Parkhaus war recht billig und die Alcazaba für EU-Bürger kostenlos zu besichtigen.

Ein Essen hatten sie sich nicht geleistet, was sich als grober Fehler herausstellte, denn Dr.M. hatte auf der ganzen Rückfahrt Hunger und wurde immer unleidlicher.

Da erschien die Rettung am Horizont: ein gelb-rotes McDonalds-Schild. Dr.M. stürzte sich mit Feuereifer in die Forschung, ob in Spanien der BigMäc anders schmeckt als in Deutschland. In Spanien bekommt man das Ketchup zu den Pommes jedenfalls kostenlos.

Wieder im Hotel zogen sich Dr.M. und seine Assistentin deutsches Fernsehprogramm vom Feinsten rein: RTL exclusiv-explosiv.

Nach dem Abendessen widmete sich Kerstin ihrem Krimi, doch der Tag hatte auch sie ermüdet und bald verlöschte das Licht.

Mitten in der Nacht löste ein surrendes Insekt Mückenalarm aus, und Kerstin schmierte sich von oben bis unten mit Autan ein, obwohl ihr das furchtbar stank. Dr.M. vertraute darauf, dass seine Assistentin das süßere Blut hatte.
 
 

Dienstag, 12.10.

Der 12. Oktober ist ein Feiertag in Spanien - der Grund ? Die Entdeckung Amerikas.

Leider regnete es, weshalb Dr.M. und seine Assistentin nicht nur keine Lust auf Umzüge hatten, sondern auch die Fahrt nach Granada verschoben.

Statt dessen wagten sie sich in die Unterwelt, genauer gesagt, in die "Cuevas de Nerja". Die Tropfsteinhöhle war auch von etlichen Spaniern als Ausflugsziel auserkoren worden und immer wieder trafen Dr.M. und seine Assistentin auf geführte Reisegruppen. Trotzdem verliefen sich die vielen Menschen ganz gut.

Dr.M. war sehr empört, daß beim Eingang zur Höhle etwas als Skelett eines Höhlenmenschen ausgestellt war, das er einer ganz anderen Zeit zuordnen würde - erkennbar z.B. an der Kniekehle. Kerstin, die es mit solcher Gelehrsamkeit nicht aufnehmen konnte, enthielt sich eines Urteils, obwohl auch sie Zweifel an der spanischen Version hatte.

Die Höhle selbst war über jeden Zweifel erhaben und einfach beeindruckend: der Hauptraum der Höhle gigantisch in seinen Ausmaßen und in der Mitte der dickste Stalaktit der Welt, durch die Verschmelzung von vielen Stalaktiten knorrig wie ein Jahrhunderte alter Baumstamm.

Als Kontrastprogramm und weil inzwischen die Sonne wieder schien, fuhr Dr.M. seine Assistentin zu einem weißen Dorf in der Nähe von Nerja: Frigiliana - nett anzuschauen, alle Häuser weiß gestrichen, die Gehwege mit Platten gepflastert, so daß Muster entstehen (nach dem Regen allerdings sehr rutschig!).

Kerstin hatte gehört, daß die Bewohner solcher weißer Dörfer von der Regierung die Farbe spendiert bekommen, falls sie es sich nicht leisten können. Das bestärkte sie in ihrem unguten Gefühl, daß diese Leute alle in einem Museum wohnen und jeden Tag gaffende Touristen ertragen müssen Ù das wäre nichts für sie!

Zum Mittagessen wollten Dr.M. und seine Assistentin ein empfohlenes Lokal aus dem Reiseführer ausprobieren. Zuerst versagte auch Dr.M.s Orientierungssinn, doch da sich beide einig waren, schon mal an dem Lokal vorbeigekommen zu sein, winkte am Ende doch der Erfolg in Form eines wirklich guten Essens im "Don Comer".

Der Rest des Tages wurde faul am Strand verbracht.
 
 

Mittwoch, 13.10.

Für Urlaub ungewöhnlich früh aufgestanden, aber für den Ausflug nach Granada hätte Kerstin so einiges getan. Schon um 9.15 Uhr lenkte Dr.M. den weißen Hyundai auf die Straße und um exakt 10.37 Uhr war der Parkplatz der Alhambra erreicht.

Die Schlange vor den Kartenschaltern konnte sich sehen lassen und es wurde jetzt der Einlaß für die Nasridenpaläste um 17.30 Uhr verkauft. (Die gesamte Anlage der Alhambra kann sofort besichtigt werden, doch für die Nasridenpaläste hat man nur eine festgelegte halbe Stunde)

Kerstin war schon enttäuscht, doch Dr.M. konnte auch dieser Situation das Beste abgewinnen: "Dann besichtigen wir eben alles andere und als Abschluß die Paläste."

Getröstet kaufte seine Assistentin einen Alhambra-Führer, und dann zäumten sie das Pferd von hinten auf d.h. entgegen dem Rundgang liefen sie zuerst zur Generalife, der Sommerresidenz der maurischen Fürsten von Granada. Die Muster an Bögen und Fenstern, das Spiel mit Wasser und Pflanzen, die Gärten Ù so etwas kann man nicht beschreiben, so etwas muß man sehen !!!

Kerstin hatte sowieso große Erwartungen in Bezug auf die Alhambra gehegt, aber sie wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen.

Dr.M. hatte nicht soviel Glück, denn die Hälfte der Alcazaba z.B. die Verliese waren wegen Bauarbeiten geschlossen. Der Rest der Burganlage war zwar ganz nett, aber nicht spektakulär.

Da sich die beiden nicht in der Alhambra mit überteuertem Essen abzocken lassen wollten, schlugen sie den Weg nach Granada-Stadt ein. In einem spanischen Schnellimbiß kam der Magen zu seinem Recht, bevor es wieder kulturell wurde.

Leider öffnete die Kathedrale erst um 16.00 Uhr ihre Pforten, so daß sich Dr.M. und seine Assistentin die Zeit mit einem Stadtbummel vertreiben mußten.

Sehr lästig waren aufdringliche Frauen, die Myrte verkaufen wollten - als Liebessymbol oder Liebeszauber oder was auch immer, es in Wahrheit aber nur auf den Geldbeutel der Touris abgesehen hatten. Dr.M. verwies sie recht bestimmt in ihre Schranken, weshalb sie ihn verfluchen wollten.

Als es endlich 16.00 Uhr wurde, stand die schwierige Entscheidung an, ob die Capilla Real mit dem Zepter und den Grabmälern von Ferdinand und Isabella von Spanien besichtigt werden sollte oder die Kathedrale mit historischen Gewändern und kirchlichen Utensilien. Dr.M. und seine Assistentin wählten letzteres und waren beeindruckt.

Danach trabten sie im Schweinsgalopp zurück zur Alhambra, um nur ja nicht ihren Einlaß zu verpassen. Die ganze Hektik hatte den Erfolg, daß sie schon um 16.45 Uhr bei den Nasridenpalästen ankamen, also eine Dreiviertelstunde zu früh.

Sie reihten sich trotzdem in die Warteschlange ein und nach kurzer Diskussion mit dem "Hüter" der Paläste durften sie passieren.

Dr.M. mutmaßte, daß sie wahrscheinlich schon vormittags die Paläste hätten besichtigen können, weil die angegebenen Zeiten eh keinen interessieren und außerdem seien zeitliche Vorgaben eine Frechheit und Touristenabzocke usw.

Seine Assistentin hörte ihm längst nicht mehr zu, sondern bestaunte die maurische Architektur. Ein Innenhof war wunderbarer als der nächste, jeder Raum noch prächtiger ausgestattet als der vorhergehende Ù ein einmaliges Erlebnis !!!

Und hatten die beiden auch vorher über die festgelegten Zeiten gejammert, so waren sie jetzt froh, daß immer nur eine begrenzte Anzahl Besucher eingelassen wurde und man sich deshalb nicht auf die Füße trat. Außerdem konnte man sogar ab und zu ein "menschenleeres" Foto schießen.

Um 18.00 Uhr wurde die gesamte Alhambra geschlossen und kurz vorher verließen Dr.M. und seine Assistentin die Anlage - randvoll mit neuen Eindrücken.

Die Parkplatzgebühr war bei weitem nicht so human wie in Almeria, was Dr.M.s Verdacht von der Touristenabzocke bestätigte.

Kerstin war viel zu müde, um zu denken und viel zu begeistert, um zu meckern.
 
 

Donnerstag, 14.10.

Auch heute starteten Dr.M. und seine Assistentin früh. Das Mietauto mußte schließlich ausgenützt werden.

Ziel der Reise war Ronda, doch schon der Weg war das Ziel, denn Dr.M. nahm die vielen Kurven wie ein Ralley-fahrer und hatte viel Spaß.

Die Landschaft zeigte sich zuerst noch grün und hügelig, dann jedoch richtig hochgebirgig. Immer wieder regnete es und so verhinderte das Wetter einen Besuch in einem der am Weg liegenden weißen Dörfer. Allerdings fand Dr.M. ein sehr turmähnliches Haus, das er wegen Privatbesitz nicht näher anschauen durfte, aber doch fotografieren mußte.

Ob dieser Teil der ausgesuchten Rundroute so viel länger war als de "normale" Weg oder ob unsere beiden Helden doch ein paar Umwege zu viel gemacht hatten, sei dahingestellt. Ronda wurde jedenfalls erst gegen 12.30 Uhr erreicht d.h. hieß nach erfolgreicher Parkplatzsuche hatte die Suche nach einem geeigneten Lokal höchste Priorität.

Der leibliche Genuß wurde noch mit einem Eis gekrönt, und so konnten Dr.M. und seine Assistentin frisch gestärkt den Abstieg wagen. Die berühmte Brücke von Ronda konnte man schließlich nur von unten würdigen (und fotografieren) und nicht, wenn man darauf steht. Diese Brücke existierte schon zur Römerzeit und verbindet heute Alt- und Neu-Ronda.

Da Dr.M. und seine Assistentin letzteres schon abgeklappert hatten, begaben sie sich nach Alt-Ronda. Die Kathedrale war nach Granada ein echtes Kontrastprogramm - sehr viel weniger gewichtig und fast schlicht, und die arabischen Bäder waren leider schon geschlossen. Trotzdem bot die Stadt einen sehr romantischen Flair, dem sich auch Dr.M. und seine Assistentin nicht entziehen konnten und wollten.

Die Rückfahrt über San Pedro/Marbella ging viel schneller, kostete allerdings Maut auf der Autobahn.

Bis es Zeit zum Abendessen war, vervollständigte Kerstin ihre Notizen, während Dr.M. die Finanzen überprüfte. Dann fühlte er sich genötigt folgenden Kommentar ins Notizbuch zu schreiben: "Heute wurde ich gewaltsam mit dem Fuß getreten; darauf stürzte ich fast bewußtlos ins Bett."

Überflüssig zu erwähnen, daß diese Bemerkung jeglicher Grundlage entbehrt und völlig übertrieben ist.

Nach dem Abendessen kosteten Dr.M. und seine Assistentin die Vorzüge des Fernsehers aus und schauten bis Mitternacht "Der Schakal" mit Richard Gere und Bruce Willis an.
 
 

Freitag, 15.10.

Nach einer kurzen Nachtruhe düsten Dr.M. und seine Assistentin bereits um 8.45 Uhr los - Richtung Cordoba. Dr.M. meisterte den Weg bravourös und fand auch noch einen wunderbaren Parkplatz direkt an der Puente Romano.

Über diese Brücke marschierten beide schnurstracks zur Mezquita. Der Säulenwald in der Moschee und auch der reichverzierte Gebetsraum des Kalifen beeindruckten Dr.M. und seine Assistentin sehr. Die Kirche dagegen störte nur, aber Hauptsache, daß man sie mitten in die Moschee gebaut hatte Ù hoch lebe die christliche Überheblichkeit !

Die nächste Station war der Alcazar, das Rathaus, heute kostenlos zu besichtigen, da gerade eine Hochzeit stattfand. Der Garten war schön angelegt mit Brunnen und vielen kleinen Wegen.

Weiter gings ins Judenviertel, wo viele kleine Läden mit Souvenirs lockten.

Nach dem Mittagsmahl verließen Dr.M. und seine Assistentin Cordoba und wagten sich ins 13 km entfernte Medinat Azahara. Die "4300 Säulen für die Geliebte des Kalifen" konnten EU-Bürger kostenlos besuchen. Nichtsdestotrotz hatten sich nicht viele Touristen dorthin verirrt, was den beiden gerade recht war.

Dr.M: ließ seinem Forscherdrang freien Lauf und da auch seine Assistentin archäologisch interessiert war, entspann sich eine angeregte Diskussion, wie Medinat Azahara wohl zu Zeiten des Kalifen ausgesehen hatte. Ein rekonstruierter Saal half der Fantasie noch auf die Sprünge.

Auf der Heimfahrt gerieten sie mitten in den Bergen in ein Gewitter. Teilweise war die Sicht gleich Null, doch Kerstin vertraute Dr.M. vollkommen und tatsächlich brachte er sie wohlbehalten ins Hotel zurück.

Der Tag forderte jedenfalls seinen Tribut und nach dem Essen fielen Dr.M. und seine Assistentin total fertig ins Bett.
 
 

Samstag, 16.10.

Es sollte ein verrückter Tag für Dr.M. und seine Assistentin werden, doch was soll man auch erwarten, wenn man sich mitten in Spanien in englisches Hoheitsgebiet begibt ?

Dr.M. hatte es sich nämlich in den Kopf gesetzt, nach Gibraltar zu fahren. Hatten ihn die Engländer im Hotel doch schon für einen der Ihren gehalten, weil er beim Frühstück die gleiche Vorliebe für sausages, gebratenen Speck und die spicey Soße zeigte.

Um 11.30 Uhr lag der Felsen von Gibraltar im Sonnenlicht vor ihnen. Überlegungen auf der spanischen Seite zu parken und dann zu laufen, wurden als unpraktikabel verworfen. Und so lenkte Dr.M. den Wagen über das Rollfeld des Flughafens in die Stadt.

Dort ärgerte der Geldautomat Kerstin, als er zwar brav die EC-Karte einzog und den Betrag eintippen ließ, dann aber meldete: "Es kann leider kein Geld ausgezahlt werden!" Ù dann eben nicht!

Dr.M. tauschte zu einem bodenlosen Wechselkurs (3,25 DM für 1 Pfund !) 50 Mark ein, um sich und seine Assistentin vor dem Hungertod zu retten.

Als sie endlich ein Restaurant gefunden hatten, das ihnen gefiel, wurde es kompliziert: ein englischer Ober übersetzte dem spanischen Ober ihre englische Bestellung Ù das wäre auch einfacher gegangen, denn inzwischen war das spanisch von Dr.M. und seiner Assistentin in puncto Essen perfekt.

Das Restgeld wurde in Fressalien (wie gesagt hatte Dr.M. eine Vorliebe für englische Kost) und Lesestoff (eine Leidenschaft von Kerstin) angelegt.

Etliche Kanonen später - in Gibraltar stehen einige herum - gelangten die beiden zu ihrem weißen Hyundai und wollten sich aufmachen zur eigentlichen Attraktion: den Affen auf dem Felsen von Gibraltar.

Freundliche Wegweiser ("Apes") führten die Ortsunkundigen, bis sie vor einem Schild standen, das die "Entrance fee" auf 5.00 Pfund pro Person bezifferte.

(Der aufmerksame Leser weiß sicher schon, was passiert!) Ù Richtig, Touristenabzocke und da machten Dr.M: und seine Assistentin nicht mit. Die Kehrtwendung erwies sich als gar nicht so einfach, denn es mußten einige brutal enge Gassen gemeistert werden, bevor Gibraltar sie freigab.

Vor dem Zoll war die Reise allerdings schon wieder zu Ende. Obwohl die Autos vierspurig abgefertigt wurden, dauerte es trotzdem eine Dreiviertelstunde bis Dr.M. und seine Assistentin wieder in Spanien waren. Wenigstens hatten sie im Stau in aller Ruhe Fotos vom Felsen von Gibraltar knipsen können, Kerstin hatte ihre Notizen auf den neuesten stand gebracht und Dr.M. die Ausgaben geprüft.

Außerdem hatte ein dummes, englisches Insekt Kerstin in einen Fingerknöchel der linken Hand gestochen, und der Stich mußte ausgiebig gekratzt werden. Dieses Vorgehen brachte ihr einen von Dr.M.s Vorträgen über Insektenstiche und Frauen und Verletzungen im Allgemeinen ein.

Zum Glück wurde er durch die Fahrt etwas vom Thema abgelenkt und eine Burg am Wegesrand weckte sofort seinen Entdecker-Trieb.

Die Burg von Fuengirola war ganz nett anzuschauen, nichts Spektakuläres, aber gut erhalten und nette, kleine Wehrgänge zum Rumlaufen.

Im Hotel hieß das weitere Programm einmal mehr: Essen und Schlafen.

Auch der heutige Flamenco-Abend konnte Dr.M. und seine Assistentin nur kurzzeitig von ihren Betten fernhalten. Die beleibten Engländer dagegen waren mit Feuereifer bei der Sache und beklatschen die Tanzdarbietungen heftig.
 
 

Sonntag, 17.10.

Heute gönnten sich Dr.M. und seine Assistentin den Luxus, etwas länger zu schlafen, denn ihr Reiseziel Malaga war nicht sehr weit entfernt.

Sie fanden einen wunderbaren Parkplatz und machten sich gleich auf den Weg zum Gibralfaro. Leider suchten sie den Leuchtturm an der völlig falschen Stelle, liefen planlos in einem Wohngebiet umher und hatten auch etwa 3 km weit von der Stadtmitte geparkt. Dieser Fehler ließ sich leicht korrigieren, doch der Weg zum Gibralfaro war trotzdem zu lang, wie eine Karte zeigte.

Dafür entschädigte sie die Kathedrale, sowohl von außen wie auch von innen und auch die Alcazaba war sehenswert.

Um sich auch in der modernen Kunst weiterzubilden, besuchten Dr.M. und seine Assistentin die Ausstellung im Picasso-Geburtshaus. Dr.M. fand alte Burgen jedoch wesentlich interessanter als die Gemälde und Skizzen und außerdem hatte er Hunger. Seine Assistentin begleitete ihn wieder einmal zum McDonalds.

Auf dem Rückweg zum Auto kamen sie durch den Botanischen Garten von Malaga, und Kerstin mußte vor lauter Begeisterung alles knipsen, was ihr vor die Linse kam.

Dann hieß es langsam Abschied nehmen von ihrem treuen Freund, dem weißen Hyundai, der sie die letzte Woche überallhin gebracht hatte. Ein letztes Mal tanken - Dr.M. schaffte es, die Tankanzeige genau auf halbvoll zu bekommen !

Nach einer kurzen Siesta im Hotel faulenzten sie noch etwas am Strand. Dr.M. stählte seinen Körper in den Fluten, während sich Kerstin auf ihre Verpflichtungen als Assistentin besann und sich dem Schreiben von Postkarten widmete.
 
 

Für den interessierten Leser sein an dieser Stelle ein kleiner Exkurs zum Thema Autofahren in Spanien eingefügt:

Montag, 18.10.

Die autolose Zeit begann mit Ausschlafen und einem ausgedehnten Stadtbummel in Nerja. Trotz intensivem Suchen und Rekonstruktion der gegangenen Wege fand Kerstin das Geschäft nicht wieder, in dem sie am ersten Tag die Strumpfhose mit aufgemaltem Reißverschluß gesehen hatte. Aber damals war es schließlich Nacht gewesen und Volksfest, also sah alles anders aus ...

Ein kühler Wind ließ Kerstin in ihrem Sommerkleid frösteln, weshalb sie und Dr.M. zum Hotel zurückkehrten und gleich dort speisten.

Den Nachmittag verbrachten sie am Strand. Kerstin hatte ein lesenswertes Buch gefunden und Dr.M. suchte beim Schwimmen nach verborgenen Buchten.

Beim Abendessen gab es zum Nachtisch Schokoladeneis, was Kerstin sehr begrüßte. Endlich einmal ein Dessert, das auch ihr schmeckte und das sie nicht an Dr.M. abtreten mußte.

Der Spaziergang in der lauen Nachtluft führte zu einer Telefonzelle, und Kerstin informierte ihre Eltern noch einmal genau über Ankunftszeiten usw.
 
 

Dienstag, 19.10.

Wie jeden Dienstag fand auch heute ein Markt in Nerja statt.

Dr.M. und seine Assistentin wurden mit den Massen weitergeschoben und hatten Mühe, sich im Gedränge nicht zu verlieren. Das Angebot war allerdings nicht sehr verlockend - ungefähr so, wie auf der Ausgburger Dult d.h. schleunigst die Flucht ergreifen.

Ein typisch spanisches Essen versöhnte Dr.M. wieder mit seinem Schicksal. Derweil frankierte seine Assistentin die restlichen Postkarten und fütterte den nächsten Briefkasten damit.

Aller Verpflichtungen ledig konnten beide nun hemmungslos der Faulheit frönen d.h. am Strand liegen, essen, fernsehen, schlafen.
 
 

Mittwoch, 20.10.

Das Wetter spielte heute allen sonnenhungrigen Urlaubern einen Streich, es regnete.

In einer Regenpause wagten sich Dr.M. und seine Assistentin in die Stadt, um Mitbringsel zu kaufen. Außerdem brauchte Dr.M. dringend ein schickes, weißes Hemd. Seine Assistentin erprobte ihre Spanischkenntnisse an dem Verkäufer und hatte tatsächlich einen Erfolg zu verbuchen. Als sie das Geschäft verließen, folgte allerdings eine kalte Dusche: es schüttete wie aus Kannen.

Von einer Überdachung zur nächsten rennend, flüchteten sich Dr.M. und seine Assistentin in ein Lokal. Doch so lange sie das Essen auch ausdehnten, der Regen hörte einfach nicht auf und wurde auch nicht schwächer Ù Augen zu und durch !

Klitschnaß kamen sie im Hotel an. Kerstin verzog sich sofort ins Bad, um ihre Haare zu waschen, als ein Schreckensschrei ihres Verlobten sie innehalten ließ. Fassungslos starrte er auf den grünen Karton, in dem sein Hemd verpackt war. Der Regen hatte den Karton aufgeweicht in die Farbe ausgewaschen, weshalb einige grüne Flecken das Hemd zierten. Dr.M. verschwand mit Kerstins Reisewaschmittel im Bad, kam jedoch bald frustriert wieder. "Es geht nicht raus !" sagte er in einem Jetzt-tu-doch-auch-mal-was-Tonfall.

"Weiß kann man ja heiß waschen und in der Waschmaschine gehen die Flecken sicher weg!" beruhigte Kerstin ihren Verlobten und besetzte ihrerseits das Bad, um sich endlich die Haare zu waschen.

Dafür durfte Dr.M. das Fernsehprogramm bestimmen, da Kerstin ihre Nase eh in ein Buch steckte.
 
 

Donnerstag, 21.10.

Strahlender Sonnenschein und keine Wolke am Himmel !

Dr.M. und seine Assistentin liefen zum letzten Mal in die Stadt und gaben das restliche Geld aus. Die Suche nach der Strumpfhose mit dem Reißverschluß brachte ihnen nur unverständliche Blicke und Kopfschütteln ein (Wie erklärt man auf spanisch, daß der Reißverschluß nur aufgemalt, aber kein wirklicher Reißverschluß ist, und daß man auch ganz sicher nicht pervers ist?)

Auf dem Rückweg zum Hotel kreuzte ein Mini-Skorpion ihren Weg. Dr.M. war sofort ganz Forscher und beobachtete das Tier. Zum Glück verschwand der Skorpion in einer Mauerritze, sonst hätte Kerstin wohl den halben Nachmittag auf dem Gehsteig verbracht.

Statt dessen begaben sie sich zum Strand und genossen zum letzten Mal Meer und Sand. Die Viechereien rissen indes nicht ab: Dr.M. wurde von einem fliegenden Insekt gestochen und aus Kerstins Badetuch krabbelte eine Kreuzspinne hervor.

An der Tür ihres Hotelzimmers klebte ein Zettel, daß es Probleme mit der Wasserversorgung gäbe d.h. kalt duschen und Haare waschen Ù für Kerstin ein echtes Problem!
 
 

Freitag, 22.10.

Zu nachtschlafender Zeit (6.00 Uhr) verließen Dr.M. und seine Assitentin ihr Bett. Das Frühstück war extra für sie bereitgestellt worden. Außer ihnen nutzte diesen Service noch ein älterer Herr, der in aller Früh weiterreisen wollte.

Ab 7.00 Uhr saßen Dr.M. und seine Assistentin auf ihren Koffern und warteten auf den Alltours-Fahrer, der sie zum Flughafen bringen sollte. Der Fahrer kam erst um 7.30 Uhr und dementsprechend waren sie erst um 8.30 Uhr am Flughafen. Kerstin hatte schon die schlimmsten Befürchtungen, daß das Flugzeug ohne sie abfliegen würde.

Das Einchecken verlief jedoch problemlos und gestartet wurde sowieso mit einer Stunde Verspätung. In der Luft gab es dann auch noch Turbulenzen, aber mit nur 20 Minuten Verspätung landete das Flugzeug sicher in München.

Dr.M. und seine Assistentin waren wieder zu Hause.