Computer-Logbuch VW Golf Alba

Mission Toskana

 

 

 

Nachdem der Weltraum schon von den Kollegen aus dem Fernsehen erforscht wird, begeben wir uns auf eine terrestrische Mission: die Entdeckung der Toskana.

Ein Erdling namens Goethe hat mit seiner "italienischen Reise" ein Vorbild für alle tagebuchführenden Italien-Touristen geschaffen. Ich habe sein Werk jedoch nie gelesen, denn erstens ist mir Schiller als Mensch und Schriftsteller lieber und zweitens muß man sich im High-Tech-Zeitalter ganz anderen Herausforderungen stellen.

Da wäre zuerst einmal die Funktionstüchtigkeit des Raumschiffs - äh scusi - des Autos zu bedenken. In dieser Angelegenheit hat sich Captain Arne den goldenen Schraubenschlüssel am Bande verdient, da er noch drei Tage vor Abflug Kühler und Stoßstange montiert und die Reifen gewechselt hat.

Und dann wäre da auch noch die Mission: Als Perfektionistin bereite ich mich sorgfältig auf meinen Urlaub vor, wie es die interplanetarische Vereinbarung vorsieht: Sprachkurs, Reiseroute, Unterkunft, Besichtigungstouren ..., alles muß genau geplant sein.

Insofern brach ich schon zu Beginn unserer Toskana-Reise mit allen Regeln, die ich je für meinen Urlaub aufgestellt hatte:

 

 

 

Computer-Logbuch VW-Golf Alba,

Captain Keks

Erdzeit Samstag, 01.04.2000

Die Mission Toskana beginnt um 5.15. Uhr. Mit zwei Nutella-Semmeln zum Frühstück wird mein Tagesbedarf an Vitaminen und Aufbaustoffen gedeckt. Schnell gehe ich nochmals die Liste der eingepackten Sachen durch. Was fehlt laut Captain Arne noch ? Klopapier ! Auf die Leiter und zwei rosarote Rollen in den Rucksack geworfen. Mami versorgt mich noch mit Putzlappen, Papi sorgt sich um Autoschlüssel und Papiere ...

7.10 Uhr - ein letztes Winken und Alba düst los - Richtung Firnhaberau.

Am Motorengeräusch erkannt - Captain Arne verläßt bereits seine Bodenstation.

7.20 Uhr nach einer zweiten Abschiedsszene gehtís los - zuerst jedoch nur bis um die nächste Kurve. Dort wird überprüft, ob jeder alles hat.

2 km später fällt uns ein, daß das extra für den Urlaub gekaufte Lenkradschloß in Arnes Zimmer schlummert.

Um 7.30 Uhr sind wir endgültig auf dem Weg, was Captain Arne gleich im Logbuch festhält:

Computer-Logbuch VW Golf Alba, Captain Arne:

 

Augsburg

7.30 Uhr

 
 

ê B 17 ê

   
 

Landsberg

8.10 Uhr

 
 

ê B 17 ê

   
 

Schongau

8.32 Uhr

 
 

ê B 23 ê

   
 

Garmisch-P.

9.15 Uhr

 
 

ê B 2 ê

   
 

Mittenwald

   
 

ê ê

   
 

Brenner

10.35 Uhr

 

Nach dem Abflug wird das Wetter immer schlechter, zuerst ist der Himmel nur bedeckt, dann Regen, dann Schnee - und der Warp-Antrieb ist noch nicht erfunden !!! Nach einer kurzen Diskussion entscheiden wir uns, das verhaßte "Pickerl" zu kaufen und das Abenteuer alte Brennerstraße zu vertagen.

Alba bekommt an der letzten Tankstelle vor der Grenze noch etwas Sprit und um 9.50 Uhr verlassen wir deutsches Gebiet. In Österreich immer noch Sauwetter, aber auf dem Brennerpaß kommt langsam die Sonne durch.

Auch eine defekte Mautstation kann uns jetzt nicht mehr aufhalten und ich wollte schon immer mal rückwärts fahren auf der Autobahn.

Wir verlassen die Autostrada bei Bolzano, um den Sonnenschein auf der Landstraße zu genießen und uns einen schönen Rastplatz zu suchen. Um 13.30 Uhr gönnen wir uns eine Pause, argwöhnisch beobachtet von Fremdlingen des Planeten Sinti und Roma in zwei Transportern. Der eigentliche Grund dafür wird uns erst nach der Rast klar, als wir 100m weiter eine leicht bekleidete Schönheit sehen, die sich am Straßenrand postiert hat.

Unbeeindruckt flitzt Alba vorbei - auf der Superstrada Richtung Urlaub. Die Stimmung wird immer besser, die Dörfer immer malerischer ...

Computer-Logbuch VW Golf Alba, Captain Arne:

 

Verona

14.45 Uhr

 
 

ê SS 62 ê

   
 

Mantua

   
 

ê SS 12 ê

   
 

Modena

16.45 Uhr

 
 

ê SS 9 ê

   
 

Bologna

17.15 Uhr

 
 

ê A 1 ê

   
 

Florenz

18.20 Uhr

 

In Verona hatten wir eine Abzweigung verpaßt und fuhren einen Umweg über Mantua. Ich hatte mich zwar schneller als erwartet an die italienische Fahrweise gewöhnt d.h. grundsätzlich alle Geschwindigkeitsbegrenzungen übersehen und rasen, was das Zeug hält (auch wenn man mit 100 km/h durch die Ortschaft braust), aber es wurde später und später.

Bei Bologna entscheiden wir uns wieder für die Autostrada, denn mittlerweile ist auch die reizvollste Landschaft nur noch Landschaft, jedes Dorf nur noch ein weiteres Dorf und wir wollen nur noch ankommen.

Mein linker Fuß ist vom Nichtstun eingeschlafen (Automatik-Auto!), mein rechter Arm wird wohl noch im Schlaf das Lenkrad halten, mein Kopf brummt und ich hasse alle Kurven dieser Welt.

Captain Arne hat die Navigations-Koordination übernommen. Jetzt müssen wir nur noch diesen Ort finden, der mit "L" angeht und von dem mein Gehirn behauptet, er hieße "Livorno", was natürlich nicht stimmt.

An der Ausfahrt "Badesse" fällt mir plötzlich ein, daß wir keine Telefonkarte haben, um die Signora anzurufen, die uns freundlicherweise den Schlüssel bringt. Deshalb stehen wir fünf Minuten später ziemlich belämmert vor der Telefonzelle in Lornano. Captain Arne frägt in der Bar von Lornano Ù no ! in der Bar von Badesse Ù scusi, finito! endlich in der Pizzeria-Cafe-Einkaufszentrum von Badesse sind wir erfolgreich.

Zurück in Lornano macht sich die Signora nach einem "Buono sera" von Captain Arne ohne ein weiteres Wort auf den Weg. Wir verständigen kurz die heimische Bodenstation Augsburg in Form von Commander Ingo über die erfolgreiche Ankunft.

Fünf Minuten später folgt Alba dem Auto der Signora um noch mehr Kurven, bis wir schließlich in eine ungeteerte Schotter-Buckelpiste einbiegen. Und irgendwann erreichen wir tatsächlich die Ferienhäuser von "Le Cogne".

Die Signora spricht no tedesco, un poco inglese und ihr Spickzettel ist eher verwirrend als nützlich. Wir nicken eifrig, bloß was für ein problemo idraulico unser Warmwasserboiler haben soll, ist uns nicht klar.

Das Häuschen ist wirklich hübsch, sauber und geräumig. Wegen fehlender Dachisolierung (die Dachbalken und Dachziegel bilden die Decke der Räume !) ist es allerdings lausig kalt. Uns ist es egal, wir verdrücken die letzten Essensreste und verziehen uns in unsere Schlafsäcke.

 

 

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Captain Keks

Erdzeit Sonntag, 2. April

Von der Sonne geweckt, ausgeruht und bildungshungrig machen wir uns auf den Weg nach Siena. Captain Arne steuert treffsicher einen Supermercado an, in dem wir unsere Wasservorräte auffrischen. Im dritten Anlauf finden wir auch einen kostenfreien Parkplatz, denn nur "Monday no free parking" wie uns eine nette Italienerin erklärt.

Durch die Porta San Marco betreten wir Siena. Die Straßen sind eng, die Häuser alt, aber gepflegt, es riecht nach Pasta und die Wäsche hängt quer über der Straße Ù Bella Italia !

Der erste Weg führt natürlich zum Piazza del Campo, dem schönsten Platz der Welt, wo wir uns - wie im Reiseführer beschrieben - hinsetzen, um die Atmosphäre zu genießen. In Anbetracht der vielen Reisegruppen ein schwieriges Unterfangen. Trotzdem zieht uns der muschelförmige Platz und vor allem die gotische Fassade des Palazzo Pubblico in ihren Bann. Die Turmbesteigung des Torre del Mangia verkneifen wir uns allerdings - für 500 Stufen auch noch 10 000 Lire (= 10, 00 DM) pro Person zahlen, ist doch zuviel des Guten.

Auch il Duomo bereitet Probleme, denn erstens wird das Fotografieren durch Baugerüste erschwert und zweitens ist eine ausgedehnte Besichtigung wegen dem Beginn einer Messe nicht möglich. Doch für einen nachhaltigen Eindruck und das Opfern einer Kerze reicht es allemal.

Vorbei an der Nannini-Bar, die der Familie von Giana Nannini gehört, gelangen wir die Santuario della Casa di Santa Caterina. Sie ist die Schutzpatronin des Dominikanerordens und seit 1939 auch von Italien und wurde in dem kleinen Häuschen als Tochter eines Färbers geboren.

Im Vorübergehen entdecken wir immer wieder schöne Palazzi und Plätze z.B. den Piazza Salimbeni mit den drei Palazzi der berühmten Bank Monte dei Paschi. Wir steuern direkt auf San Domenico zu, das Innere der Kirche ist allerdings eine Enttäuschung - zu modern für meinen Geschmack. Weiter zur Fortezza Medicea, von der wir ungestört die Aussicht auf Siena genießen können - endlich einmal keine Touristen.

Wir blättern in unserem Reiseführer und finden einen Geheimtip: San Galgano - eine Klosterruine, ein Ort zum Meditieren. Ein ideales Sonntagsausflugsziel finden wir und leider auch sehr viele Italiener und statt Meditation gibt es Autoschlangen. Der Spaziergang zur Kapelle, in der das Schwert des San Galgano im Fels steckt, ist trotzdem wunderbar.

Auf der Rückfahrt wollen wir das dem Weg liegende Castello di Tocchi besichtigen. Die Straße dorthin verdient diese Bezeichnung nicht im mindesten, die Stoßdämpfer leisten Schwerstarbeit und das Castello ist erstens kaum zu erkennen und zweitens bewohnt, also nicht zu besichtigen. Aber wir waren nicht die einzigen, die sich mehr erhofft hatten.

Dem Gewirr der Einbahnstraßen in Tocchi glücklich entronnen - das Dorf besteht nur aus Einbahnstraßen - bringt uns eine immer dreckigere Alba nach Badesse zurück. Die Pizzeria dort ist noch geschlossen, weshalb uns die glorreiche Idee kommt, die Umgebung zu erkunden. Der Schotterweg zum Campingplatz Luxor steht dem Weg zum Castello di Tocchi in nichts nach und wie das Castello ist auch Luxor eine Enttäuschung, der Campingplatz ist nämlich "chiuso". Eine Entschädigung ist dann Monteriggioni. Die Stadt auf dem Hügel liegt ganz innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern und ist bei Sonnenuntergang traumhaft schön. Noch schöner wäre es allerdings gewesen, hätte es nicht zu regnen begonnen und hätten wir ein Lokal gefunden, das geöffnet war.

Also zurück über eine Schotterstraße, auf der uns beinahe ein junges Reh ins Auto gesprungen wäre, nach Badesse. In der Pizzeria essen wir genial gute und riesige Steinofen-Pizza und können dem Pizza-Bäcker beim Teig ausrollen bzw. durch die Luft wirbeln zusehen.

 

 

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Captain Keks

Erdzeit Montag, 3. April

Captain Arne testet schon beim morgendlichen Semmelholen die Ralley-Fähigkeiten des Autos. Außerdem erleben wir die Straßenreparatur-Truppe live und in Farbe, die alle Schlaglöcher einfach mit Erdhaufen füllt, die nach und nach plattgefahren werden.

In San Gimignano mischen wir uns wieder unter die Touristenströme, denn das "Manhattan von Italien" ist einfach sehenswert. Die Geschlechtertürme, teilweise über 50 m hoch, wurden von den Adelsfamilien der Stadt erbaut. Wer den höchsten hatte, galt als der Reichste und Mächtigste. Früher gab es rund 70 Türme, heute stehen nur noch 13. Eine Besichtigung des Doms sparen wir uns, da gerade umgebaut wird. Statt dessen spazieren wir an der Stadtmauer entlang und bummeln durch die mittelalterlichen Straßen.

Weiter gehtís nach Volterra (= Etruskerstadt Valathri). Wir stehen vor dem Palazzo dei Priori, als plötzlich hinter uns eine blonde Dame sagt: "Mei, wie des Fürthír Rathaus!"

Im Parco archeologico ist es schön grün und schön ruhig und wir wandern einmal um die Fortezza. Leider finden wir keinen Eingang für eine Besichtigung, bis mir beim Anblick des Carabinieri ein Scheinwerfer aufgeht - in meinem Reiseführer steht, daß die alte Festung als Gefängnis genutzt wird.

Über Colle di Val díElsa, Monteriggioni und Castellina in Chianti erreichen wir Radda in Chianti, wo laut Reiseführer Busse nach Florenz losfahren sollen. Radda ist ein nettes, kleines Städtchen, das mir gut gefällt, aber wohl eher kein Buszentrum. Deshalb opfern wir eine Kerze in der Chiesa S. Nicola und bewundern die Geschlechterwappen an der Fassade des Palazzo del Podesta, wo auch das Rathaus und die Touri-Info untergebracht sind.

Noch ein kurzer Einkaufsstop in Badesse, dann verziehen wir uns in unser Häuschen. Keinen einzigen Sonnenstrahl haben wir heute gesehen, es ist lausig kalt und fängt auch noch an zu regnen.

 

 

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Captain Keks

Erdzeit Dienstag, 4. April

Der Himmel ist immer noch bedeckt. Für uns steht heute Pisa auf dem Besichtigungsplan. Die Anfahrt verläuft problemlos, nur die Parkplatzsuche gestaltet sich mal wieder schwierig. Zu guter Letzt finden wir doch eine Nebenstraße außerhalb der Stadtmauer.

10 Minuten später stehen wir auf dem "Campo dei Miracoli".

Der schiefe Turm wird auf der einen Seite massiv gestützt von Bleigewichten und Drahtseilen, was Captain Arne als Techniker sehr faszinierte. Je nachdem von welcher Seite man den Turm betrachtet ist die Neigung schon enorm - natürlich wird die schiefste Seite fotografiert !!!

Der Dom ist wirklich wunderschön. Wir hören etwas in eine deutsche Führung hinein, doch die Führerin ist allzusehr von sich überzeugt und wir suchen das Weite. Immerhin haben wir erfahren, daß der Dom fünfschiffig ist und eine der Seitenkapellen dreischiffig, was wohl ziemlich einmalig ist.

Laut meinem Reiseführer gibt es in Pisa eine Medici-Villa. Es wird ein längerer Spaziergang dorthin und ein vergeblicher, denn die Policia hat sich häuslich in der Villa eingerichtet und wünscht natürlich keine Besucher. Als gute Touristen knipsen wir auch vom Piazza dei Cavalieri ein Foto. Im Palazzo dei Cavalieri ist heute die Universität untergebracht, früher war es eine Militärschule.

Zurück am Piazza del Duomo besichtigen wir den Camposanto mit seinen Särgen und einigen Wandmalereien und das Baptisterium mit dem Taufbecken von Pisano. Dort erklimmen wir auch die oberste Etage, um bei einem grandiosen Rundblick festzustellen, daß es regnet im sonnigen Italien.

Weiter geht die Reise nach Lucca, wo wir Alba an einem bewachten Parkplatz an der Stadtmauer abstellen. Wir schlendern durch die Stadt - es gibt viele schöne Türme zu fotografieren, bei einem, der zum Palazzo Guinigi gehört, ist sogar das Dach bewachsen - und besichtigen die Villa Mansi - Pinakothek und Medici-Villa in einem.

Nach einem deutsch-italienisch-französisch-englischem Gemisch läßt uns der Kassierer sogar für die Hälfte des Normalpreises rein, weil wir unter 25 sind oder EU-Bürger oder beides oder überhaupt.

Auf dem Stadtplan ist eine Adresse für Ferienwohnungen angegeben, doch leider schnappt uns ein Ehepaar das billigste Häuschen vor der Nase weg - alle anderen freien Wohnungen sind zu teuer oder haben keine Heizung.

Wegen der Wohnungssuche kommen wir erst spät aus Lucca weg und finden in der Dunkelheit fast den Weg nicht mehr. Um 21.20 Uhr landen wir endlich in der Pizzeria in Badesse: einmal Pizza rucola zum Mitnehmen und danach nur noch schlafen.

 

 

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Captain Keks

Erdzeit Mittwoch, 5 April

Das Wetter scheint besser zu werden, vereinzelte Sonnenstrahlen finden den Weg durch die Wolken. Captain Arne ist für eine Zwischenlandung auf der isola díElba. Alba wird in Piombino zurückgelassen, während uns die Fähre um 13.10 Uhr nach Portoferraio schippert.

Bei herrlichem Sonnenschein zum ersten Mal in diesem Jahr im kurzärmeligen T-Shirt unterwegs, laufen wir steil nach und steil nach unten. Die Fortezza Medicea ist abgesperrt, nur ein paar fröhliche Gärtner sind beim Büsche schneiden, die Villa dei Mulini, Napoleons Quartier ist wegen Umbauarbeiten geschlossen ...

Dafür ist es am Strand schön warm und schön einsam, und ich plansche im Meer (natürlich nur mit den Füßen!).

Eine Lasagne rettet uns dann vor dem Verhungern und die Fähre bringt uns zurück aufs Festland. Postkarten konnten wir leider nicht kaufen, sie waren einfach zu kitschig.

Mittwochs gibt es in Badesse keine Pizzas, deshalb zum Abendessen nur Nutellabrot bzw. Captain Arne schmiert sich eine karottenfarbene Thunfisch-Tomaten-Creme aufs Brot.

 

 

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Captain Keks

Erdzeit Donnerstag, 6. April

Früh aufstehen und los gehtís nach Firenze. Hinfinden - kein Problem, bloß in der Stadt gibt es fünfspurige Einbahnstraßen ohne eingezeichnete Spuren Ù rechts ein Roller, links ein Roller, Fahrräder, Autos, Kreisverkehr ...

Der Parkplatz an der Fortezza wird bewacht und wir finden gleich einen freien, aber bis zum Dom ist es ca. 1 km.

Beim Palazzo Vechio fängt es an zu schütten und wir flüchten in die Loggia dei Lanzi. Nach dem Regenguß geht es weiter zum Dom: außen wunderschön (ich mußte vier Fotos verknipsen), wirkt er von innen eher leer für meinen Geschmack. Zum Reinkommen müssen wir uns in eine Warteschlange einreihen, umschwärmt von Negern, die Schirme verkaufen: "Mache gutten Preis, Extra-Preis!"

Als wir zum Palazzo Pitti kommen, ist wegen einer Konferenz geschlossen und wir wollten doch so gerne in den Giardino di Boboli !

Viele andere Sehenswürdigkeiten erledigten wir im Vorübergehen: Piazza Santa Trinita, Uffizien, Piazza Santa Maria Novella, Fortezza, Palazzo Medici-Riccardi Ù das ganze Laufen hat mich hoffnungslos ermüdet und mir fallen schon im Auto die Augen zu !

Am Abend rufen wir aus Lornano noch die italienische Der-Tour-Vertretung an, um endlich die Sache mit der Wohnung zu klären: Am Samstag sollen wir in Castelnuovo Berardenga in der Telefonzelle neben dem Postamt warten und nach einem silberfarbenen Mazda mit Münchner Kennzeichen Ausschau halten.

 

 

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Captain Keks

Erdzeit Freitag, 7. April

Ausschlafen und ausruhen nach Florenz, der letzten Etappe unseres Besichtungsmarathons. wir sitzen in der Sonne und schreiben Postkarten, gehen gemütlich einkaufen, kochen Tortelloni im Wasserkocher ...

Am Nachmittag fahren wir nach Castellina in Chianti - die kleine Burg hat es Arne wirklich angetan, aber da wir nirgendwo hineinschauen können und die Läden noch nicht offen haben, sind wir in 10 Minuten mit dem Stadtbummel fertig.

Zurück beim Ferienhäuschen unternehmen wir einen romantischen Abendspaziergang durch die Wildnis, denn der Weg, den wir uns ausgesucht haben, wird immer schmaler und zugewachsener. Es ist trotzdem (oder gerade deswegen) wunderschön und Captain Arne hilft mir galant über alle Hindernisse (Zweige mit Dornen, Wurzeln usw.).

Zum Pizza-Essen in Badesse sind wir zu früh dran, warten wollen wir nicht d.h. Wurstbrot zum Abendessen !

 

 

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Captain Keks

Erdzeit Samstag, 8. April

Quartierwechsel - der "idraulico" = Klempner muß eine halbe Stunde vor LeCogne auf die Vermieterin warten und ist ganz schön sauer ! Sie wundert sich, daß wir kein Gas verbraucht haben - wie denn, wenn die Heizung kaputt ist???

In Castenuovo Berardenga treffen wir den Der-Tour-Fuzzi, den Captain Arne sehr unsympathisch findet. Unser neues Domizil ist noch nicht ganz fertig geputzt, aber um "mezzogiorno" (=12 Uhr) können wir einziehen. Bis dahin unternehmen wir noch einen kleinen Spaziergang, wobei sich die Klopause wegen stacheliger Büsche etwas schwierig gestaltet.

Unser neuer Vermieter spricht ebenfalls so gut wie kein Wort Deutsch und erzählt uns irgendwelche Dinge, von denen ich nur die Hälfte verstehe.

Am Nachmittag lese ich bei Sonnenschein im Garten meinen Krimi, während Arne sich von der ganzen Fahrerei ausruht.

Später kurven wir nach Siena und besichtigen die "Enoteca Italiana" dort sind alle Weine Italiens aufgereiht, aber keine Preisschilder Ù eher unspannend !

Auf einem Piazza spielt eine Rockgruppe und ein paar Buden laden zum Bummeln ein. Wir telefonieren noch kurz zur Bodenstation Augsburg und werfen unsere Postkarten ein.

Zum Abendbrot gibt es mal wieder Nudeln, diesmal im Topf gekocht !

Und danach endlich, endlich warmes Wasser zum Haarewaschen und Duschen !!!

 

 

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Captain Keks

Erdzeit Sonntag, 9. April

Ein warmes Badezimmer (die Heizung schaltet sich von 7-9 Uhr und von 20-24 Uhr ein) ist schon ein Komfort.

Auf einer landschaftlich wunderbaren Höhenstraße - natürlich nicht geteert und sehr kurvig - fahren wir nach Asciano und besuchen einen lokalen Markt. Es gibt nette Handarbeitssachen und viel Wurst und Käse, Spezialitäten der Gegend.

Wieder in Guistrigona in unserer Ferienwohnung Formel 1 geguckt: Schumi gewinnt dank besserer Boxenstopstrategie vor Häkinnen, Coulthard und Barichello. Weil uns vom vielen Rumsitzen kalt ist, versuchen wir uns beim Joggen aufzuwärmen. Doch draußen bläst ein kalter Wind und außerdem habe ich keine Kondition. Dann lieber Kuscheln im Schlafsack!

Abends dann in einer eher vornehmen Trattoria gespeist - Pizza, was sonst? - und der Kellner spricht sogar deutsch.

Nach dem guten Essen noch etwas Fernsehen und dann Schlafsackmupfeln!

 

 

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Captain Keks

Erdzeit Montag, 10. April

Auf den Spuren von Route 6 aus Captain Arnes Polyglott-Reiseführers kommen wir zuerst ins Benediktinerkloster Monte Oliveto Maggiore. Die Kirche der Abtei ist wirklich toll, im Kreuzgang ist das Leben von San Benedetto bildlich dargestellt von Sodoma und Luca Signorelli. Wir opfern wieder einmal eine Kerze und erwerben ein Fläschchen Klosterlikör.

Die Außenfotos werden wegen Regen etwas kompliziert, vor allem da wir uns meine Jacke als Regenschutz teilen.

Die zweite Station der Reise ist Montalcino, die Stadt, aus der der Brunello kommt. Die Fortezza ist recht hübsch, doch mit der beherbergten Enoteca können wir als Weinbanausen eher weniger anfangen. Am Piazza del Populo ein Pflichtfoto vom Palazzo Comunale aus dem 14. Jh., noch ein Foto vom Duomo, Einkaufen im Coop und weiter gehtís.

Die Abtei SantíAntimo bringt uns erstmals Sonnenstrahlen an diesem Tag, wenn auch nur vereinzelt. Die romanische Kirche ist von außen wesentlich schöner als von innen, vor allem wegen ihrer traumhaften Lage. Ein kurzes Picknick auf der Wiese stärkt die Lebensgeister, bevor die Sonne wieder hinter Wolken verschwindet.

An der Straße Richtung Pienza entdecken wir unsere "Traumburg": Spedalotto - klein, aber oho. Captain Arne ist ganz begeistert, aber leider können wir sie nicht mitnehmen, nur ein Foto als dürftigen Ersatz.

Pienza - als Idealstadt von Piccolomini-Papst Pius II. und dem Architekten Bernardo Rossellino entworfen, ist wirklich gelungen. Nur schade, daß der Palazzo Piccolomini montags geschlossen ist.

Die letzte Station für heute ist Montepulciano. Das Städtchen hat wirklich mittelalterliche Straßen und ein tolles Ambiente. Palazzo Comunale und Dom reißen einen allerdings nicht vom Hocker und in der Fortezza ist eine Polizei-Schule untergebracht Ù keine Besichtigung.

Abends gibt es selbstgekochte Nudeln und die nächsten Tage werden verplant.

 

 

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Captain Keks

Erdzeit Dienstag, 11. April

Wir wollen Route 6 aus Captain Arnes Reiseführer zu Ende bringen d.h. Ausflug zur Etrusker-Hochburg Chiusi. Der Himmel zeigt sich leider bedeckt bis regnerisch.

In Chiusi im Dommuseum nachgefragt und "il labyrinto di Porsenna" besichtigt. Das ganze ist ein echter Etikettenschwindel, denn vom sagenumwobenen Grab des Porsenna wurde nie etwas gefunden. Aber die unterirdischen Kanäle der Etrusker, die die Gesteinsschichten als natürliche Filter für ihr Trinkwasser benutzten, sind trotzdem toll. Die Führung ist nur auf italienisch, aber dank übersetztem Begleitheft ist alles zu verstehen.

Danach besuchen wir das Etruskermuseum, wo sich der Mann an der Kasse sehr bemüht, uns für den halben Preis einzulassen: "Studenti?" "Si, aber kein Studentenausweis" - "Age?" "24" Ù unter 25 Ù halber Preis !

Die Urnen und Sarkophage sind für mich nicht so der Hit, aber viele schöne Vasen und Amphoren mit der typischen schwarzen Bemalung.

Wir verlassen das Museum bei Regen. Captain Arne möchte unbedingt noch in die "Tombe etrusci". Wir fahren aus Chiusi heraus und den Schildern nach und haben wahnsinniges Glück: Eine Führerin aus dem Etruskermuseum ist gerade mit anderen Touris dort und sperrt uns die Gräber nochmals auf. Dafür dürfen wir sie nach Chiusi zurückfahren.

Inzwischen schüttet es mehr oder weniger und auch die Rast am Trasimeno See ist nicht sehr erholsam. Auf dem Parkplatz bleibt Alba fast im Matsch stecken und wird noch dreckiger als sie eh schon ist.

Sehr wettergebunden ist dann auch mein erster Eindruck von Cortona: Regen von oben, Wasserfälle von Dächern und Dachrinnen, Sturzbäche in der Mitte der Gassen, Pfützen an allen Ecken und Enden und akute Spritzgefahr bei vorbeifahrenden Autos. Wir flüchten ins "Museo etrusco dellíAcademia", das außer etruskischen Funden (der berühmte Bronzeleuchter), römische Stücke, Degen, Gewänder, Gemälde, zwei Globen ("Augspurg" ist eingezeichnet !!!), Münzen, Siegelringe, zwei ägyptische Mumien mit Sarkophagen und eine wunderbar alte Bibliothek bietet. Leider gibt es keine Postkarte zu kaufen und im Museum ist Fotografieren verboten.

Da es immer noch wie aus Eimern schüttet, flüchten wir ins Café Sandy auf einen Capuccino.

Im Regen sieht alles gleich aus bzw. mit Kapuze sieht man nicht gut, deshalb brauchen wir auch drei Anläufe, um die richtige Porta mit unserem Auto auf dem Parkplatz zu finden.

Captain Arne hat noch einen kurzen Disput mit zwei Italienerinnen um einen "Senso unico", weil das Durchfahrt-verboten-Schild von einem LKW zugeparkt ist.

Wir enden uns wieder heimwärts, Arezzo, die geplante dritte Station des heutigen Tages fällt buchstäblich ins Wasser.

In Castelnuovo Berardenga angekommen, gehen wir einkaufen und sind damit pleite. Der liebe, kleine Geldautomat spuckt uns jedoch nochmals Hunderttausende aus.

Da alle Gasthäuser a) martedi chiuso b) nur Fisch oder c) nur toskanische Spezialitäten (Perlhuhn, Taube, Fisch ...) im Angebot haben, führt uns die Jagd nach etwas Eßbarem in das aus etwa 15 Häusern bestehende San Piero. Das Lokal ist eher vornehm, der Kellner aber voll bemüht und die Pizza supergut und billig.

Als abendliche Erholung ist Fernsehen angesagt Ù ein Actionfilm mit Kurt Russell und Steven Seagul um eine Flugzeugentführung, von dem Captain Arne begeistert ist. Dazwischen eine Nachfrage bzw. Störung vom Hausherrn, ob "tutta perfetto?"

 

 

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Captain Keks

Erdzeit Mittwoch, 12. April

Wir wagten uns wieder in die Nähe von Florenz und wurden prompt mit viel Verkehr und Gehupe belohnt. Allerdings konnten wir eine wunderbare Aussicht von oben auf Florenz bei strahlendem Sonnenschein genießen.

Unser eigentliches Ziel war heute jedoch die Jagd nach Medici-Villen.

Zuerst fahren wir zur Medici-Villa Cafaggiolo d.h. zu dem, was wir dafür halten. Der Weg dorthin ist eine ausgeschilderte BMX-Strecke und dementsprechend gefordert werden auch Albas Stoßdämpfer. Wir kommen schließlich an einer Medici-Festung an, aber die heißt San Martino und ist nicht zugänglich. Der Besitzer läßt gerade eine Hebebühne in eine Nische fahren und verschließt dann die Tür.

Captain Arne und ich spazieren trotzdem einmal um die Burg und entdecken einen kleinen dunklen Eingang. Mit einer kleinen Taschenlampe aus dem Auto gehen wir auf Entdeckungsreise, doch der Tunnel endet nur allzubald an einer Wand.

Danach finden wir Caffaggiolo - alles abgesperrt, nichts zu besichtigen, dafür wird ein Foto geknipst.

Weiter geht die Reise über den Futa-Paß nach Prato. Außer dem Dom gibt es nicht viel zu sehen, die Krypta ist wegen Restaurierung geschlossen, ebenso das Castello dellíimperatore. Dafür stehen im Prato-Faltblatt zwei weitere Medici-Villen (Poggio a Caiano und La Ferdinanda auch "Villa dei cento camini" genannt), die wir auch tatsächlich finden und bildlich festhalten. In der zweiten findet wohl etwas Wichtiges statt, da alles mit Mercedes vollsteht und ein Aufpasser-Heini rumrennt.

Auf dem Heimweg verfahren wir uns in Florenz, weil die idiotischen Italiener eine Straße gesperrt und wir das Umleitungsschild erst beim zweiten Versuch gesehen haben.

 

 

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Captain Keks

Erdzeit Donnerstag, 13. April

Mal wieder ausschlafen, dann in aller Ruhe nach Caselnuovo Berardenga fahren. Dort ist heute Markttag. An der Touri-Info erfahren wir, daß die Gärten der Villen, die ich so gerne besichtigen wollte, nur am Sonntag offen sind Ù knapp vorbei ist auch daneben !

Wir beschließen schwimmen zu gehen und fahren nach Siena - immer den Schildern "piscina" nach. Am giovedi ist dieses für die Öffentlichkeit von 12.00 - 13.00 Uhr geöffnet - es ist 13.30 Uhr Ù knapp vorbei ist auch daneben !

Deshalb brechen wir nach einem Mittagsschläfchen nach Castellina in Chianti auf, um Etruskergräber zu suchen. Schon auf dem Hinweg finden wir eines, das ganz versteckt an einem Waldweg liegt, auf dem wir natürlich mit dem Auto herumkurven (Captain Aren hat einen untrüglichen Sinn für fahrtechnische Herausforderungen !). Die Gräber bei Castellina müssen wir erst erfragen, sie sind fast noch beeindruckender als in Chiusi - mit großen Gängen in alle vier Himmelsrichtungen - leider innen etwas matschig. Dafür ist auf einer Eisenschiene eine Eisenkugel in jedes Grab gerollt und festgeschweißt worden, ob das wohl auch die Etrusker waren ???

In Castelina kaufen wir Wein als Geschenk für unsere Eltern, trinken Cappuccino, essen ein Eis und tanken unser Auto voll.

Zum Abendessen als Abschied Pizza in Badesse, wobei ich mich fast mit frischen Tomaten vergiftet hätte !!!

 

 

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Captain Keks

Erdzeit Freitag, 14. April

Ein Abschiedsbesuch in Siena - noch einmal Piazza del Campo, die Basilika, die Fortezza ...

Mittagsschläfchen und Kofferpacken.

Abends noch eine unliebsame Überraschung: Unser Hausherr will Heizung und Gas abrechnen und das, obwohl mir der Der-Tour-Fuzzi versichert hatte, alles wäre inklusive. Er kommt schließlich mit seinem silbernen Mazda angefahren und meint, das wäre ein Mißverständnis, Heizung wäre nie inklusive ... - ein ewiges Hin- und Her. Jedenfalls zahlen wir statt 96,- DM nur 70,-DM und das in deutschen Geld, denn die Lire sind bereits abgezählt.

 

 

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Captain Keks

Erdzeit Samstag, 14. April

Um 7.09 Uhr verlassen wir Guistrigona. Captain Arne, dem die italienische Fahrweise mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen ist, bricht alle Rekorde.

 

Florenz

8.00 Uhr

 
 

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Bologna

8.45 Uhr

 
 

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Modena

9.05 Uhr

 
 

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Verona

9.45 Uhr

 
 

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Trento

11.00 Uhr

 

 

Nach Verona verlassen wir die Autobahn und fahren auf der Landstraße (SS 12) weiter. Nach der Rast (11.45 - 12.05 Uhr) übernehme ich das Steuer. Bei Bozen geht es wieder auf die Autobahn, die falsche Entscheidung, wie sich eine Ausfahrt später herausstellt, wir geraten nämlich mitten in einen Unfall und stehen eine gute Stunde.

Um 14.30 Uhr sind wir in Innsbruck, um 15.05 Uhr erreichen wir Deutschland. Bei strömendem Regen und mit der Fußballübertragung des Derbys FC Bayern : 1860 München fahren wir dahin. Captain Arne wird immer stiller, er hat Kopfweh.

Um ca. 17.30 Uhr sind wir zu Hause - müde, aber glücklich !!!